26.08.2010, 15:08 Uhr | Marion Hodapp | Keine Kommentare »

Als Student praktische Erfahrung sammeln – geht das noch?

Durch die allseits bekannte Bologna-Reform hat sich an unseren Hochschulen in Deutschland ja einiges geändert. Die letzten Diplom-Studiengänge laufen langsam aus. Die Studierenden stellen sich die Frage, ob sie mit dem Bachelor ausreichend qualifiziert für ihre Berufs- und Karrierevorstellungen sind, oder ob sie doch das Masterstudium anschließen.
Neben der universitären Qualifikation der Beweberinnen und Bewerber legen Unternehmen jedoch auch größten Wert auf Soft Skills und Berufserfahrung. Wie ist das alles unter einen Hut zu bringen?

In den Diplomstudiengängen war die Sache mit der Praxiserfahrung noch ein wenig einfacher: Es gab Praktikumssemester, die mit einer Dauer von mindestens 20 Wochen einen ersten Einblick in den Beruf ermöglichten. Darüber hinaus waren die Zeitpläne und die Strukturen der Vorlesungen wesentlich flexibler – Uni eben, nicht Schule.

Im Bachelor- und Master-Studium ist das anders. Straffe Pläne, wenig Zeit und kaum Spielraum bestimmen das Studentenleben und lassen wenig Luft für außeruniversitäre Engagements. Ein Nebenjob, der mit 10-12 Stunden pro Woche im Diplomstudium jederzeit schaffbar war, ist heute teilweise nicht mehr zu realisieren. Die Studiendauer soll so kurz wie möglich gehalten werden (auch wenn die Regelstudienzeit im Masterprogramm über der durchschnittlichen Studienzeit für Diplomstudiengänge liegt).

Bei den Unternehmen besteht der Anspruch, neue Mitarbeiter/innen möglichst zügig in ihre Aufgaben zu integrieren und so optimalerweise ohne lange Einarbeitungszeiten eine hohe Produktivität des neuen Unternehmensmitglieds zu gewinnen. Deshalb suchen sie Einsteiger mit praktischen Vorerfahrungen.

Kann ein Hochschulabsolvent ohne diese Praxiskenntnisse mit der theoretischen Ausbildung im Praxisalltag bestehen, oder ist er meist nur fernab jedes Praxisbezuges eine Koryphäe in seinem Gebiet?

Die neuen Studienkonzepte haben es für beide Seiten nicht einfacher gemacht. Eine Musterlösung gibt es für die Überbrückung dieser Diskrepanz leider nicht. Die Chance liegt hier nur im Aufeinander-Zugehen. Studierende müssen also versuchen, ihre praktischen Kenntnisse in der knapp bemessenen verbleibenden Zeit durch Praktika, Nebentätigkeiten und Werkstudentenjobs (zur Not in den Semesterferien) aufzubessern und anstatt auf den schnellen Euro durch Jobs ohne Bezug zum Studium mehr auf den langfristigen Nutzen bei evtl. weniger gut bezahlten oder geistig anstrengenderen Tätigkeiten passend zum Studienbereich setzen. Unternehmen sollten dafür mehr Energie in die Einarbeitung stecken, z.B. durch Trainee- oder Mentorenprogramme zum Einstieg.

Lesen Sie hierzu auch den Bericht auf www.sueddeutsche.de.

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